Verschwendung: Bin ich zuständig?

Verschwendung! Das Thema ist en vogue – im Privaten. Aber was ist in Unternehmen und Organisationen? Wer macht sich da eigentlich zuständig?

Verschwendung! Darüber diskutieren wir bei uns im Team ziemlich viel. Gewissen schwäbisch-stämmigen Teammitgliedern ist das ein großes Anliegen. Und es ist ja auch en vogue. Wenn Sie zufällig in der gleichen urbanen, recht akademischen und ganz ordentlich verdienenden Filterblase leben, wie ich, dann donnern Ihnen im privaten Bereich wahrscheinlich auch allenthalben die Anti-Verschwendungsbotschaften um die Ohren. Und vielleicht sind Sie im Privaten – Filterblase – auch so geneigt, den guten Argumenten gegen Verschwendung zuzustimmen. Minimalismus anstreben, CO2-Fasten und Plastikvermeidung – das machen zumindest in meinem Umfeld viele. Da hat man das Gefühl, etwas tun zu können, auch wenn es natürlich immer die Kritteler gibt, die sagen: „Bringt doch nichts.“ Etwas zu tun, wie klein auch immer der Effekt, gibt einem im Privaten ein gutes Gefühl.

Aber was, wenn es um Unternehmen geht? Wir reden viel über Verschwendung im Hinblick auf Flächen, auf Betriebskosten, aber auch auf vergeudete Lebensenergie von Mitarbeitern aller Seiten bei der endlosen Dauerschleife von Nerverei in Dienstleistungsverhältnissen. Und am Ende geht es in Unternehmen nicht nur um die Frage „Kann ich etwas verändern?“, sondern immer auch um die Frage „Kann ich mir die Zuständigkeit schnappen?“.

Was also ändern? Richtiger Frust entsteht dann, wenn man das Gefühl der Ausweglosigkeit hat, dass man nichts ändern kann – als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt*. Zum Beispiel: Kosten senken! Die Projekte zeigen, Betriebskosten sind kaum nennenswert zu senken. Da geht nicht viel. Von den Vollkosten eines Quadratmeters entfallen

  • 5% auf Verwaltung/ Objektmanagement,
  • 11% auf Instandsetzung,
  • 64% auf Kapitalkosten,
  • 20% auf Betriebskosten.

20% der Vollkosten gehen also für Energie, Wasser, Medien, technische Dienstleistungen und sämtliche infrastrukturellen Leistungen raus. Wie viel von diesen Kosten ist beeinflussbar? Vielleicht 40%? Und wieviel kann eingespart werden? Vielleicht 30%? Okay, aber wieviel wird von dieser Einsparung dann in der Praxis realisiert? 50% – wenn es hoch kommt? Haben Sie mitgerechnet? Von den Vollkosten spart man auf diesem Weg also ca. 1,2% – und das mit viel Einsatz und Aufwand.

In Gesprächen mit FM-Verantwortlichen kommt spätestens jetzt folgender Einwand: „Ja, ja, das ist aber auch gar nicht so mein Thema. Ich will doch nur die volle Leistung bekommen!“ Richtig! Geld für das man eigentlich nichts bekommt, ist genauso verschwendet – leeres Geld. Deswegen müssen wir im Corporate Facility Management – also in der Bereitstellung und dem Betrieb von Unternehmensinfrastruktur – über zwei Hebel reden:

  • Präventive Dienstleistungssteuerung – das beendet die Verschwendung von Lebensenergie und „leerem Geld“
  • Standort & Workplace-Projekte – das beendet die Verschwendung von Kapital

Bleiben wir heute erst einmal beim weitaus größten Hebel zu wirtschaftlicher Entlastung: den Kapitalkosten. Einfache Lösung: Weniger Quadratmeter gebrauchen! Ein Thema, das in der Corona-Krise zumindest für die Büros echt Momentum kriegt. Yeah!

Aber jetzt kommen die Einflüsterungen: „Nein, wenn ihr jetzt bessere Arbeitswelten schaffen wollt, dann braucht ihr eher mehr Fläche. Das geht gar nicht mit weniger! Sag das Deinem CFO.“

Wer flüstert da? Alle, die nach HOAI bezahlt werden? Alle, die schneller und leichter Geld verdienen wollen, als mit der langen Ochsentour? Denn bei dem Gedanken an ein Workplace-Projekt, drängt sich sofort die Vielzahl von Stakeholdern im Unternehmen auf, bei denen man damit ein Riesenfass aufmacht – allen voran der Betriebsrat. Wer das Thema anpacken will (oder muss), der braucht ein Team um sich, das ihm/ ihr den Rücken stärkt und diese Diskussionen mit durchsteht. Und es braucht ein klares Bild davon, was zu gewinnen ist: Kapital, Klimaschutz, WESENTLICH bessere Arbeitsumgebungen.

Und jetzt nochmal zurück zum Anfang:
Verschwendung im Privaten? Ja, das versuchen doch viele zu vermeiden. Verschwendung auf der Arbeit? Hm, bin ich da zuständig?
Wenn Sie mich fragen: Wer denn sonst? Fangen wir an.

Und beim nächsten Mal reden wir über das „Leer-Geld zahlen“.

 

Ihre Katja Müller-Westing

* PS: Rilke. Ich sag’s ja – Filterblase. Aber auch einfach schön.