Plattformtechnologie


Reich werden mit Facility Management?!

Überall wird über Plattformtechnologie für FM gesprochen – auf der Anbieterseite zumindest. Kommt das wirklich schon beim Nutzer an? Was ist überhaupt eine Plattform für FM? Sowas wie Amazon – also eine Verkürzung des Beschaffungsprozesses? Sowas wie der Appstore – also ein Ding, mit dem man die vielen gewachsenen Insellösungen mit wenig Aufwand harmonisieren kann? Oder eine IoT-Lösung – mit der der Nutzer alle seine Gebäude und Anlagen fühlen, hören, schmecken kann? Alles Beispiele für Plattformen. Wir versuchen mit dem Themenportfolio im Mai einmal ein wenig Klarheit in die Sache zu bringen.

Dazu stellen wir im Mai hier Interviews, Filme, Vorträge und – sonst wären wir ja nicht wir – ein wenig Streitschrift online.

Wir erweitern das Portfolio sukzessive im Mai. Uptodate bleiben Sie bei diesem Thema über unsere LinkedIn-Seite.

Ein paar Thesen zu Plattformen für das Sourcing im FM

Die Idee…

… ist eindringlich. Plattformen sind der Renner und sie machen das Leben so unendlich viel einfacher. Genau das brauchen doch die Facility Manager auf der Nutzer- und Auftraggeberseite! Und mit Plattformen wird man reich. Okay, kann man reich werden – aber schöner Nebeneffekt.

Das Leben…

… der Facility Manager ist schwer. Viele undurchsichtige Dienstleistungen, ebenso viele Dienstleister, manchmal aber auch nur ein großer mit vielen undurchsichtigen Sub-Dienstleistern, Unmengen von Einzelleistungen, die kaum jemand überblickt, Termine, Termine, Termine, Bedarfe, Bedarfe, Bedarfe, Anforderungen, Anforderungen, Anforderungen, Gesetze, Gesetze, Gesetze und Haftung ohne Ende. Über all dem thront der Nutzer, anspruchsvoll, nie zufrieden und immer am mosern. Qualität? Fehlanzeige? Ja, was ist das überhaupt?

Die Beschaffung…

… ist auch noch aufwändig, teuer, schwierig, von anderen (dem Einkauf) dominiert, unter ständigem Preisdruck und überhaupt… braucht es die Dienstleister denn? Denn mit dem Neuen (Dienstleister) ist doch erfahrungsgemäß nichts besser geworden. Nur anders. Aber immer noch schlecht. Das hat man doch jetzt bereits im 3. Zyklus durch.

Die Lösung…

… kann nur die Plattform sein. Denn diese entledigt mich der unsäglichen Ausschreibungsaufwände. Ach, und die leidigen Vertragslaufzeiten fallen weg. Jeder kann sich flexibel raussuchen, was er braucht. Beschreiben, hochladen, auswählen und ab die Post mit der Leistungserbringung. Per Mausklick. Oder besser am Handy. Der Dienstleister (welcher auch immer, natürlich von der Plattform mit Likes zertifiziert und von den anderen Usern gnadenlos bewertet) kommt, macht nur das, wofür er angeklickt wurde und ist wieder weg. Und gezahlt wird nur das, was man auch bekommen hat. Und wehe es kommt nicht, dann gibt´s negative Bewertungen und damit keine Aufträge mehr. Qualität garantiert. Wie bei Uber und Airbnb.

Das Problem…

… ist aber immer noch da. Man kauft ja keine Arbeitszeit eines Ausführenden. Das könnte so eine Plattform zwar auch, wird sie aber natürlich nicht tun. Stichwort: Arbeitnehmerüberlassung! Vor kaum etwas hat der Auftraggeber mehr Angst, als vor sich einklagenden Arbeitern. Das füllt zig Seiten in jeder unternehmensinternen Anweisung zum Einsatz von Fremddienstleistern. Und es halten sich alle sklavisch dran. Denn die Justitiare des Auftraggebers sind mächtig. Also bleibt es bei den Werkverträgen.
Aber wie ein Werk, bestehend aus einer Vielzahl von Dienstleistungen, beschrieben durch ein Ergebnis, meist mit nebulöser Erklärung des Zustandekommens und mit unvollständiger Beschreibung geschuldeter Teilwerke tatsächlich sichergestellt wird aus Sicht des Auftraggebers über seine Dienstleistungs-(Werk-)Steuerer, das ist immer noch ein Geheimnis. Zumindest für die meisten. An der Sicherstellungs-, Dokumentations- und Abnahmepflicht eines Werkes ändert eine Plattform aber 0,0 nichts, gar nichts, nada. Sie macht das Bestellen und Beschaffen einfacher. Aber das war und ist nicht wirklich das Problem. Das Problem ist die Steuerung. Und von einer wirklichen Steuerungs-Plattform, deren Mechaniken nachweislich Steuerungsleistung ermöglichen, haben wir noch nie etwas gehört.

Die Aussicht…

… ist aber blendend. Denn wenn Steuerung eines Werkes wirklich beherrscht, mit entsprechenden Prozessen unterfüttert, mit darauf abgestimmten Tools unterstützt und durch ein neuartiges und vollständiges Monitoring permanent abgesichert wird, dann kann eine Dienstleistung wirklich funktionieren. Und dann gerne (!) über eine Plattform beschafft werden, denn die Ausschreibungsgepflogenheiten sind mittlerweile ein Ärgernis. Die können gerne disruptiert werden. Aber erst dann. Und wer dann damit reich wird – bitte schön, viel Erfolg!