Beyond Outsourcing – wo die Praxis die Hebel sieht
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| i2fm: Outsourcing-Boom in Deutschland ja oder nein: Wie ist Ihre Wahrnehmung? |
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Bernhard Hintzen, Hauptabteilungsleiter (Prokurist) für die Bereiche Immobilien, Objektservice und Logistik der Stadtwerke Düsseldorf: Einen verstärkten Outsourcing-Trend sehe ich nicht. Natürlich stellen wir uns regelmäßig die Frage, ob wir Leistungen weiterhin intern erbringen oder extern beziehen möchten . Jede Fremdvergabe sollte man regelmäßig auf dem Prüfstand stellen. Dabei ist der interne Steuerungsaufwand nicht zu vernachlässigen. Die' Ideallinie' stellt m.E. ein Mix aus Eigen -und Fremdleistung dar, wobei Corporates nur das selber tun sollten, was Sie auch gut oder besser können als der Markt. |
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Markus Schwerzmann, Geschäftsführer der Infrareal AG: Auch wir beobachten keinen verstärkten Outsourcing-Trend. Wir als Infrareal beobachten und analysieren größere Corporates in Deutschland sehr genau, denn das professionelle Management von Infrastruktur an Industriestandorten ist unser ureigenes Kerngeschäft. Die Erklärung für den ausbleibenden Boom ist unserer Erkenntnis nach relativ simpel: Die wenig komplexen, wenig spezifischen Prozesse mit geringer strategischen Relevanz sind weitestgehend in den letzten Jahren rausgegeben worden. Bei den noch verbliebenen, komplexeren Prozessen stellt sich für die Organisationen die Frage, ob diese Prozesse überhaupt extern erbracht werden sollten. Und für die Dienstleister stellt sich umgekehrt die Frage, ob diese Leistungen überhaupt erbracht werden können - und auch sollen. Denn dafür sind dezidierte Kenntnisse beispielsweise in der Prozessindustrie notwendig. Das ist dann eine strategische Überlegung der Dienstleister. |
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i2fm: Wo sehen Sie dann die Handlungsfelder im FM? |
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Bernhard Hintzen: Die Kosten für die Organisation müssen spürbar reduziert werden. Der Vorstand - und insbesondere der Finanzvorstand - muss die Arbeit des Facility Management bewerten können. Das wird nur dann gehen, wenn wir an die großen Kostenblöcke rangehen. Das sind nun mal die Kapitalkosten und die von den Nutzern gewünschte Leistungstiefe. |
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Markus Schwerzmann: Wie kann aus dem organisatorisch separierten Betrieb von Infrastruktur ein Wettbewerbsvorteil erzielt werden? Das ist die zentrale Frage für das Unternehmen; das FM muss hierzu fundierte Antworten liefern können. Sie werden dann als Facility Manager sehr schnell feststellen, dass ein Gewinnziel für den Betrieb von Infrastrukturanlagen deutlich unter dem liegt, was sie im Kerngeschäft erzielen. Umgekehrt aber sehen sie, dass sie als selbständiges FM-Unternehmen sehr viel schneller in die Infrastruktur investieren, als wenn sie im Corporate resp. Teil des Kerngeschäftes sind. Dies ist einfach daher, weil die Capex Hurdle Rate deutlich unter dem der Corporate liegt. Tendenziell dürfte also ein separierter Infrastrukturbetrieb eine neuere und damit effizientere Infrastruktur besitzen als das Corporate. Diese beiden Punkte sind Ansätze für Wettbewerbsvorteile des FM. Darüber hinaus ist auch die Flexibilisierung der Kosten durch abnahme-basierte Verrechnung ein großer Vorteil. Sie ermöglichen den Corporates „zu atmen“, was gerade in Krisenzeiten existenziell sein kann. |
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i2fm: Wie geht das?
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Bernhard Hintzen: Das FM muss auf strategischer Ebene mit dem Kerngeschäft mess- und überprüfbar verknüpft sein. Dann wird ihr Handeln eben auch für den Vorstand sichtbar und es wird so deutlich, welchen Beitrag sie zur Erreichung der Gesamtziele des Unternehmens leisten. Um das auch umsetzen zu können wird eine geeignete Organisationsstruktur benötigt. Geeignet ist diese für mich insbesondere dann, wenn
Der Aufbau geeigneter Organisationsstrukturen ist dann in Ergänzung zur Frage oben ein ganz zentrales Handlungsfeld im FM für Corporates. |
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i2fm: Was ist dafür notwenwendig, wie kommt man dahin?
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Bernhard Hintzen: Das ist absolut keine Zauberei, denn die Instrumente und Modelle sind schon lange bekannt - allerdings meist nur im Kerngeschäft. Es gilt, diese zu übertragen. Wichtig ist das Anleiten einer shared Services Strategie aus der Unternehmensstrategie. Diese wird von der Strategie über Kernziele, Messgrößen und Maßnahmen sehr konkret in To-Do's und KPI's abgeleitet.. Die besten Strukturen und Instrumenten nutzen nichts, wenn die Mitarbeiter diese nicht leben oder leben können. Qualifikation ist für uns daher ein ganz zentraler Punkt. Wir haben parallel zu unserer Umstrukturierung unsere Mitarbeiter qualifiziert - von den operativen Kräften bis hin zum Führungspersonal. |
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i2fm: Wie sieht für Sie die FM-Lösung aus?
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Markus Schwerzmann: Ausgründung des Standortbetriebs und Übertragung der Verantwortlichkeit und des Betriebes der Infrastruktur in ein dafür spezialisiertes Unternehmen. Die Partnerwahl ist da natürlich absolut zentral. Unserer Beobachtung nach ist es unvorteilhaft, wenn dieser Partner den Standortbetrieb nicht als Kerngeschäft sieht sondern als Mittel zum Zweck. Energieversorger und Immobilienunternehmen sind hierfür Beispiele. Nachvollziehbares Ziel dieser Investoren ist die Auslastung des eigentlichen Kerngeschäfts. Wichtig ist auch die Frage des Ausgründungsumfanges: Soll Gebäude- und Anlageneigentum übertragen werden oder nur der Betrieb der Gebäude und Anlagen? |
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i2fm: Können Sie das noch ein wenig näher erläutern? |
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Markus Schwerzmann: Wird Betrieb und Eigentum einer Anlage übertragen, so versucht der neue Eigentümer-Betreiber die Gesamtkosten aus Besitz und Betrieb zu minimieren und entscheidet sich auch eher für eine Ersatzinvestition. Der Dienstleister, der nur den Betrieb übernimmt, ist umgekehrt interessiert, möglichst viel Instandhaltungsaufwand zu verrechnen. Entsprechend bevorzugt er unterhaltsintensive und reparaturanfällige Anlagen. Als FM-Organisation benötigen Sie Mitarbeiter, die diese Anreizstrukturen bereits im Vorfeld erkennen bzw. diese Anreizstrukturen so strukturieren, dass gewünschtes Verhalten gefördert und ungewünschtes sanktioniert wird. Auch das ist wie so vieles im FM keine neue Erfindung, dazu gibt es reichlich bekannte Modell und Beispiele. |
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i2fm: Herr Hintzen, Herr Schwerzmann, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. |
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