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„Wir machen Performance“ lautete das Motto des 5. Deutschen Real Estate Asset Kongresses, der vom 7. bis 8. November in Frankfurt am Main stattfand. Über 100 Teilnehmer diskutierten aktuelle Anforderungen an das Asset Management. Was verstehen Investoren, Corporates und Dienstleister unter Performance im Asset Management? Wie entwickelt sich das Outsourcing solcher Managementleistungen und worauf ist unter Performancegesichtspunkten besonders zu achten?
Differenzierung und Spezialisierung schaffen die Voraussetzungen für Performance
Unterschiedliche Performanceziele bedingen zu ihrer Erreichung unterschiedliche Strategien. Im strategischen Objektmanagement (Asset Management) ist zielorientierte Differenzierung somit zwingend notwendige Voraussetzung für bedarfs- und anforderungsgerechte Planung, Entscheidung, Steuerung und Kontrolle. Die Diskussion führte zu folgenden Unterscheidungskriterien:
- Auftraggebereigenschaften: Der „uneducated investor“ (Susanne Klaußner, GRR Real Estate Management) bedarf anderer Beratung als der internationale Fonds und „für Gewerbeimmobilien des Mittelstands spielen ganz andere Ziele und Kriterien eine Rolle als für DAX-Unternehmen“ (Bernhard Berg, IVG).
- Nutzungsart/Branche: In spezifischen Bereichen, „gerade auch bei Logistik oder in der Industrie, muss das Asset Management sehr viel stärker die individuellen Vorgaben des jeweiligen Kerngeschäfts berücksichtigen als beispielsweise bei Büros.“ (Dr. Stefan Beretitsch, ABB Grundbesitz GmbH).
- Portfoliozustand: Für Portfolien ausländischer Investoren mit hohem Leerstand und bald auslaufender Finanzierung wird eine andere Intensität bzw. ein anderes Niveau und andere Schwerpunkte des Asset Managements gesehen als für ein Portfolio mit neuen Core-Immobilien.
Dass bei derart heterogenen Kontextfaktoren Spezialisierung unerlässlich ist, um den differierenden Erwartungen gerecht werden zu können, liegt auf der Hand. Dies gilt umso mehr, da dem Asset Management Markt vielfach eine noch unzureichende Transparenz attestiert wurde, in dem Kundenbedürfnisse häufig erst herausgearbeitet werden müssen. Weitere Untersuchungen sind deshalb dringend notwendig.
Differenzierte Qualitätsanforderungen von Corporates und Investoren Die Anforderungen an die Qualität des Asset Managements steigen. Diese Erkenntnis allein hilft allerdings noch wenig, auch hier bedarf es der Tiefenbohrung: Was heißt denn Qualität?
Frank Michaelis, Shell Deutschland Oil GmbH, vermisst bei fremden Eigentümern, dass sie „sich nur selten für meine wahren Bedürfnisse als Nutzer interessieren, die vielleicht eher in bestimmten Qualitäten als in minimalen Kosten liegen.“ Viele Corporates sind sich bewusst, dass es eine besondere Herausforderung ist, ihre komplexen, sehr individuellen Zielbündel, die sich in der Regel auf andere Parameter als „Rendite, Risiko und Liquidität aus der Immobilie“ beziehen, zu erfassen – und behalten betriebsnotwendige Immobilien sowie deren Asset Management bisher lieber in eigenen Händen.
Zumindest in Bezug auf die Qualitätsdimensionen machen es die Investoren den Dienstleistern leichter: Sie verstehen unter Qualität derzeit beispielsweise „Sicherheit und professionalisierte Abwicklung statt des letzten Quentchens Rendite“ (Ingo Hartlief, CORPUS SIREO Asset Management GmbH) oder „Verlässlichkeit, zum Beispiel, dass Businesspläne erfüllt werden“ (Barbara Deisenrieder, Generali Deutschland Immobilien GmbH).
Steter Begleiter jeder Qualitätsdebatte, die Vergütung. Hier war man konsequent: Das Pricing wurde ebenfalls in Abhängigkeit von der Situation des jeweiligen Portfolios und Auftraggebers gesehen. Auskömmliche und akzeptierte Preise hängen ferner davon ab, dass „vom beauftragten Manager nicht nur vielversprechende Perspektiven aufgezeigt, sondern auch nachweisbare Erfolge erzielt werden sollten, die die Kosten der fremd vergebenen Leistungen rechtfertigen. … Deshalb entwickeln sich Honorarstrukturen weiterhin zu einer Kombination aus Basisfee und Erfolgsanteil“ (Florian van Riesenbeck, Treureal Asset Management GmbH).
Gemeinsame Anforderungen an das Asset Management Unabhängig von der Performance-, Qualitäts- oder Erfolgsdefinition stellen die verschiedenen Auftraggeber vielfach gemeinsame Anforderungen an professionelles Asset Management. Dazu gehören
- 1. eine (kontextabhängige) Nähe zur Immobilie (Mathias Gross, Allianz Real Estate: „DCF-Kenntnisse sind wichtig, aber Kenntnisse über Mieterbedürfnisse und Märkte genauso.“)
- 2. der „Track Record“ des Dienstleisters in Bezug auf die angebotenen Leistungen (was ebenfalls Spezialisierung voraussetzt, um über eine repräsentative Anzahl spezifischer Situationen zu verfügen)
- 3. Anzahl und Kompetenz der Mitarbeiter sowie geringe Fluktuation
- 4. eine konsequente, kompetente Führung: „Der Fisch stinkt vom Kopf, d.h. Qualität muss von oben anfangen. … Um Qualität zu bekommen, besteht Management zu 70% aus Kontrolle“. (Thomas Landschreiber, CORESTATE Capital AG)
- 5. klare Aufgabenteilung und klare Schnittstellendefinition (innerhalb des Asset Managements genauso wie nach oben und unten)
- 6. ein „gemeinsames Verständnis bezüglich dieser Aufgaben, den jeweiligen Zielen und Erwartungen“ (Ulrike Janssen, PropertyFirst GmbH)
- 7. eine „partnerschaftliche Zusammenarbeit statt modernen Ringkampfs“ und „schlanke Strukturen ähnlich der Projektentwicklung“ (Susanne Klaußner) sowie
- 8. intensive Kommunikation, „z.B. im Rahmen von Workshops zu Auftragsbeginn“ (Wolfgang Wingendorf, Treureal GmbH).
Schwierigkeiten beim Outsourcing des Asset Managements Die Entwicklung des Outsourcings von Asset Management Leistungen und die dazugehörigen Erfolgsparameter wurden besonders stark diskutiert. Dass es funktionieren soll, durch Outsourcing nicht nur Kosten zu senken, sondern auch Qualität und letztlich Performance zu verbessern, sehen noch viele mit Skepsis. Tatsächlich ist dies jedoch möglich, vor allem in solchen Bereichen, wo die Auftraggeber sich erst durch das Outsourcing überhaupt, schneller oder günstiger spezialisiertes Wissen erschließen können.
Das Gros von Outsourcing, auch bei den anlageorientierten Unternehmen, erfolgte bisher jedoch eher unter Effizienzgesichtspunkten und hier nach dem Prinzip der Kostenminimierung, bei dem Voraussetzung ist, dass die zu erreichenden Servicelevel definiert sind. Genau in diesem Punkt werden von den Teilnehmern in Bezug auf das Outsourcing von Asset Management Leistungen jedoch erhebliche Probleme gesehen, angefangen damit, dass viele Auftraggeber sich über ihre mit dem Outsourcing verfolgten Ziele und somit darüber, welche Dienstleistung sie tatsächlich benötigen, gar nicht klar sind. Oder dass sich bei so mancher Ausschreibung die Frage aufdrängt, inwieweit der Ausschreibende die Immobilien überhaupt selbst kennt? Ohne konkrete Festlegungen ist die von den Anwesenden als wesentlich genannte Voraussetzung für erfolgreiches Outsourcing, eine klare Auftragslage und Vertragsstruktur, aber nicht gegeben.
Wenn also in der Frage „Wer sourct was mit welchen Zielen und welcher Verantwortung an wen aus?“ auch nur ein Aspekt diffus bleibt, ist die Wahrscheinlichkeit von Schwierigkeiten und Unzufriedenheit groß. Reaktionen wie „Outsourcing ist out, der Trend geht wieder zu eigenen Abteilungen“ (Dietmar Fischer, Ernst & Young Real Estate GmbH) sind dann nachvollziehbar. Aus Kostengesichtspunkten ist es zudem keine Alternative, Doppelorganisationen aufzubauen, um so das Outsourcing zu beherrschen und die Zielerreichung sicher zu stellen. „Effizienz wird nur erreicht, wenn das Outsourcing konsequent durchgezogen wird.“ (Prof. Dr. Seebauer).
Outsourcing von Asset Management ist anders als Outsourcing von Asset Services Eine Festlegung von Servicelevels zur Messung der Leistungserfüllung ist allerdings auch dann schwierig, wenn es bei der Leistung um die Lösung schlecht strukturierter Probleme geht – was bei Managementleistungen, insbesondere strategischen, per definitionem der Fall ist.
Daraus ergibt sich, dass bei der Anforderungsdefinition und der gesamten Gestaltung des Outsourcings zwischen Managementleistungen und Services zu unterscheiden ist, so z.B. zwischen „Property- und Facility Management“ versus den „Property- und Facility Services“. Diese Differenzierung ist zwar nicht neu, neu ist allerdings die Erkenntnis, dass sie wegen der strategischen Dimension umso mehr für „Asset Management“ versus „Asset Services“ sowie die Portfolio- und Investmentebenen gilt (siehe Abbildung).

Meine persönliche These zum künftigen Outsourcing in der Immobilienwirtschaft lautet folglich: „Out scheint das Outsourcing eines ebenenbezogenen oder gar ebenenübergreifenden Gesamtpakets. Statt dessen werden künftig – differenziert nach Kontext, Effektivitäts- und Effizienzgesichtspunkten – individuell Teilleistungen des strategischen und operativen Managements respektive der strategischen und operativen Services fremd vergeben werden.“
Dass dabei der Teufel im Detail steckt, zeigten Vorträge wie der von Bernd Trautwein, KPMG AG, zu „Reifegraden“ des Immobilienmanagements, bei dem erneut der sehr heterogene – um nicht zu sagen, fatale – Stand der für die Schnittstellenbeherrschung notwendigen Integration von Planungs-, Steuerungs- und Kontrollinformationen deutlich wurde. Ebenso der Vortrag von Sabine Reimann (Hogan Lovells International LLP), der mit dem Thema „Eigentum verpflichtet“ und der Feststellung, dass auch beim Outsourcing die Haftpflicht beim Eigentümer verbleibt, selbst den Nerv „alter Hasen“ traf.
Outsourcing erfolgt künftig also dort, wo Anforderungen klar definiert werden können und „die Schnittstellensteuerung möglich und sinnvoll ist“ (Mathias Groß, Allianz Real Estate Germany GmbH). Welche Leistungen oder Teilbereiche dies dann sind, ist kontext- und unternehmensindividuell festzulegen, geleitet von der Frage, inwieweit das Outsourcing der betrachteten Leistung die Erreichung der jeweils relevanten Kostenziele, Nutzwerte, Kompetenzergänzungen oder anderen Ziele unterstützt und ob das Ganze gleichzeitig beherrschbar bleibt.
Fazit Unter Bezug auf Professor Seebauer und die abschließende Panelrunde kann festgestellt werden: Die Professionalisierung des Real Estate Managements hat in den letzten Jahren sprunghaft zugenommen. Auf der operativen Ebene sieht es häufig schon sehr gut aus, vor allem, wenn Outsourcingentscheidungen systematisch ziel-, portfolio-, auftraggeber-, segment- und standortabhängig getroffen wurden. Beim Management von Outsourcing ist jedoch noch stärker darauf zu achten, dass die auftraggebenden Unternehmen bzw. Mitarbeiter in der Lage sind, outgesourcte Tätigkeiten zu führen, zu kontrollieren und zu verantworten, kurz, so zu beherrschen, dass die Ziele erreicht, Arbeiten aber nicht gedoppelt werden. Es bleibt also noch einiges zu tun.
Die größten Potenziale wurden diesbezüglich bei Kommunikation und Schnittstellenmanagement, beim Prozessmanagement, der IT-Integration sowie der Nutzerbedürfniserfassung und –erfüllung allgemein sowie im Speziellen bei Mittelstands-Corporates gesehen.
An Themen für den 6. Deutschen Real Estate Asset Kongress 2012 wird es somit nicht mangeln.
Die Autorin Dr. Annette Kämpf-Dern, Bereichsleiterin Immobilienmanagement & Projektentwicklung, Forschungscenter Betriebliche Immobilienwirtschaft, TU Darmstadt
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